Der Entwicklungsingenieur – ein Künstler?

Nichts könnte weiter auseinanderliegen als die Klischees des nüchternen Ingenieurs und des extrovertierten Künstlers. Trotzdem: Technisches Know-how reicht bei weitem nicht aus. Die Verschmelzung mit Ideen und Kreativität macht's.

"Auch Entwicklungsingenieure machen Unikate", sagt Markus Böhm. Genau wie Künstler. Jeder Kunde verlangt neue technische Anforderungen und eine individuelle Lösung für sein Anliegen. Dann beginnt die kreative Phase für die Entwickler. Es wird gebastelt und verschiedene Wege werden ausprobiert. So lange, bis die Lösung da ist. Dabei ist viel Geduld gefragt. "Es ist oft ein steiniger Weg, bis das Produkt so weit ist, dass man es dem Kunden geben kann", erzählt der Entwicklungsingenieur.

 

Schwierigkeit: der Blick in die Zukunft
Markus Böhm hat Nachrichtentechnik studiert und arbeitet bereits seit 13 Jahren in der Entwicklung. Langjährige Erfahrung ist in diesem Beruf besonders wichtig. Denn die größte Schwierigkeit liegt bei jeder neuen Anfrage darin, eine realistische Kosten- und Zeitabschätzung abzugeben. "Junge Entwicklungsingenieure schätzen den tatsäch-
lichen Aufwand oft erheblich zu niedrig ein", sagt Böhm. Aber er weiß: Es kommt immer etwas Unvorhergesehenes dazwischen. Eine weitere Herausforderung liegt darin, von vornherein zu wissen, ob man das technische Problem des Kunden überhaupt lösen kann oder nicht. "Bevor wir einen Auftrag annehmen, wissen wir aber schon, wo die Lösung hingeht", sagt Markus Böhm.

 


Zeitdruck nicht ausgeschlossen

In der Regel dauert die Entwicklung eines Produkts rund drei bis vier Monate. Manchmal stehen die Ingenieure jedoch unter extremem Zeitdruck. Einmal musste Markus Böhm mit seinem Team innerhalb von zwei Wochen ein Aufzeichnungsgerät entwerfen, das den Druck und die Temperatur in einem Tank messen kann. "Das war schon sehr zackig, wir haben Tag und Nacht gearbeitet", erzählt er. Zum Glück lief alles gut: Das Gerät hielt bei Tests sogar den extremen Temperaturbedingungen von 50 Grad Celsius im amerikanischen Death Valley stand. Da war das Team natürlich stolz.


Triebfeder Neugier und Kreativität

Entwicklungsingenieure sind meist typische Bastler, die sich schon als Kind mit Baukästen oder Ähnlichem beschäftigt haben. Wichtig ist Ausdauer, Neugier und vor allem Kreativität im Blut. "Das Künstlerische", so Böhm, "ist für uns alle eine starke Motivation."